Siedlergemeinschaft Tefental
in Bergisch Born
in Bergisch Born
Die Geschichte der Siedlergemeinschaft Tefental beginnt in den frühen 1950er-Jahren – mit Wohnungsnot, viel Eigenleistung und dem Wunsch

nach einem neuen Zuhause. Aus den ersten Siedlungshäusern entwickelte sich eine Nachbarschaft, deren Zusammenhalt über Jahrzehnte prägend blieb.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs standen viele Menschen vor dem Nichts. Besonders Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten mussten sich in Westdeutschland eine neue Existenz aufbauen. Gleichzeitig war Wohnraum knapp: Zahlreiche Städte waren zerstört, Wohnungen fehlten und für viele Familien musste schnell eine dauerhafte Lösung gefunden werden. Eine Antwort auf diese Situation waren Kleinsiedlungen, wie sie bereits in den 1920er-Jahren als Modell entwickelt worden waren. Typisch waren einfach gebaute eineinhalbstöckige Einzel- oder Doppelhäuser mit Satteldach. Die Wohnfläche war eher bescheiden, dafür gehörte meist ein großer Nutzgarten zum Grundstück.
Teilweise gab es zusätzlich einen kleinen Stall für Hühner oder ein Schwein. Die Gärten dienten nicht nur der Versorgung mit Lebensmitteln, sondern auch der wirtschaftlichen Absicherung der Familien.
Der konkrete Anfang der Siedlung Tefental liegt im Jahr 1951. Damals verkaufte der Bauer Hebbinghaus Grundbesitz an die Stadt Hückeswagen. Die Stadt entschied, auf dem Gelände eine Siedlung zu errichten und damit die Wohnungsnot vieler Aussiedler zu lindern. Als Trägergesellschaft wurde die Rheinische Heimstätte GmbH aus Düsseldorf gewonnen. Um die Baukosten möglichst niedrig zu halten, war von Anfang an vorgesehen, dass die künftigen Bewohner einen erheblichen Teil der Arbeiten selbst übernehmen. Zum Jahreswechsel 1951/52 erklärten sich unter
anderem Schlesier, Oberschlesier, Ostpreußen und Hückeswagener bereit, den ersten Bauabschnitt mit zwölf Doppelhaushälften anzugehen.
Ein Jahr später kamen die Siedlungsbewerber erstmals gemeinsam in der Gaststätte „Sieper“ zusammen. Wer welche Doppelhaushälfte erhalten sollte, wurde ausgelost: Jeder zog eine Zahl zwischen eins und zwölf.
Am 1. Mai 1953 erfolgte der erste Spatenstich. Schon der Beginn zeigt, wie stark die Siedlung vom Gedanken der Eigenleistung geprägt war: Die Baugruben wurden von Hand ausgehoben. Eine Doppelhaushälfte im ersten Bauabschnitt kostete 25.000 D-Mark; ein Viertel der Bausumme musste durch eigene Arbeit erbracht werden. Das erste Haus konnte am 1. April 1954 bezogen werden.

Aus Nachbarn wird eine Gemeinschaft. Schon 1954 gründeten die Siedler die Siedlergemeinschaft Tefental, zunächst noch ohne formelle Eintragung als
Verein. Die offizielle Gründung folgte am 7. März 1959. Zum ursprünglichen Vorstand gehörten Rudi Mädel als erster Vorsitzender sowie Ernst Fingerhut, Anton Herbricht, Albrecht Richter und Rolf Ruppel. Bei der formellen Vereinsgründung 1959 wurde Ludwig Heuser zum ersten Vorsitzenden gewählt. Die Gemeinschaft beschränkte sich nicht auf organisatorische Aufgaben. Sie prägte das Zusammenleben im Viertel und stellte in den folgenden Jahren einiges auf die Beine. Besonders bemerkenswert: Die Auszeichnung „Beste Kleinsiedlung“ des Oberen Rhein-Wupper-Kreises ging nach den Angaben der Chronik von 1960 bis 1975
stets an Tefental.
Auch ein großer, gut ausgestatteter Kinderspielplatz gehörte zu den Leistungen der Gemeinschaft. Darüber hinaus organisierte man beispielsweise den gemeinsamen Einkauf von Brennstoffen.
Vor allem aber entstand in Tefental ein ausgeprägtes Nachbarschaftsgefühl. Gemeinsame Feiern gehörten früh dazu. Die früheren Karnevalsveranstaltungen – sogar mit einem eigenen Zug – blieben vielen Bewohnerinnen und Bewohnern lange in Erinnerung. Später wurde vor allem das Siedlerfest zu einem festen Bestandteil des Zusammenlebens. Es knüpfte an die Tradition der gemeinsamen Feste an und entwickelte sich zugleich zu einem großen Nachbarschaftstreffen. Auf dem Festplatz am Spielplatz an der Memeler Straße kamen nicht nur die unmittelbaren Bewohner der Siedlung zusammen, sondern Menschen aus ganz Bergisch Born. Die Geschichte Tefentals zeigt damit mehr als die Entstehung einiger Häuser. Sie erzählt davon, wie Menschen nach schwierigen Jahren mit eigener Arbeit ein neues Zuhause aufgebaut haben – und wie aus einzelnen Grundstücken Schritt für Schritt eine Gemeinschaft entstanden ist.
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