Born zwischen Bier, Korn und Brennereien
„Bierdorf Born“
„Bierdorf Born“
Der Ortsteil Bergisch Born blickt auf eine lange Verbindung zur Herstellung und zum Genuss alkoholischer Getränke zurück. Bereits historische Quellen aus dem frühen 20. Jahrhundert zeigen, welche Bedeutung Gastwirtschaften und Brennereien für das gesellschaftliche Leben der Region hatten.
Um das Jahr 1903 lassen sich zahlreiche Schankwirtschaften nachweisen – für einen vergleichsweise kleinen Ort eine bemerkenswerte Zahl. Reisende, Fuhrleute und Händler machten hier Halt, stärkten sich und nutzten Born als Treffpunkt entlang wichtiger Verkehrswege. So entwickelte sich der Ort schnell zum sogenannten „Bierdorf Born“.
Besonders die örtlichen Vereine trugen dazu bei, dass Born über die Region hinaus bekannt wurde. Bei Versammlungen und Feierlichkeiten spielte das gemeinsame Beisammensein in Gaststätten eine zentrale Rolle. Bier und Schnaps gehörten dabei selbstverständlich zur damaligen Kultur.
Viele Besucher aus der Umgebung kamen gezielt nach Born, um die lebendige Wirtshauskultur zu erleben. Die enge Verbindung zwischen Vereinsleben, Gastronomie und regionaler Identität prägte das Ortsbild über Jahrzehnte hinweg.
Eine besondere Stellung nahm die Kornbrennerei Tillmanns & Söhne ein. Das Unternehmen wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet und entwickelte sich rasch zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor vor Ort. Die Brennerei stellte Kornbrände und Liköre her und war über Generationen hinweg in Familienbesitz.
Originale Geschäftsbücher aus dieser Zeit belegen die rege Produktion sowie den überregionalen Vertrieb der Spirituosen. Noch bis ins hohe Alter leitete ein Mitglied der Unternehmerfamilie die Geschäfte – ein Zeichen für die starke familiäre Bindung an das Handwerk.
Die Kornbrennerei steht beispielhaft für die vielen kleinen Betriebe, die einst das wirtschaftliche Leben in Born bestimmten, heute jedoch größtenteils verschwunden sind.
Auch die industrielle Entwicklung spielte eine wichtige Rolle. Um 1900 ließ ein Unternehmer aus der Region eine moderne Anlage errichten, deren Produktion stark von einer zuverlässigen Wasserversorgung abhängig war. Ein eigens angelegter Brunnen sowie ein Windrad sorgten dafür, dass genügend Wasser für den Betrieb zur Verfügung stand – damals eine technische Besonderheit.
Solche Anlagen zeigen, wie eng Fortschritt, Handwerk und lokale Ressourcen miteinander verbunden waren.
Die Geschichte von Bier, Korn und Brennereien erzählt letztlich weit mehr als nur von Getränken. Sie spiegelt das gesellschaftliche Leben, wirtschaftliche Entwicklungen und den Wandel eines bergischen Dorfes wider.
Gaststätten waren Treffpunkte, Brennereien Arbeitgeber und Produktionsstätten zugleich. Heute erinnern nur noch wenige Spuren an diese Zeit – doch sie bleiben ein wichtiger Bestandteil der Identität von Wermelskirchen und insbesondere von Bergisch Born.
