Krammetsvogel Festtage
in Bergisch Born
in Bergisch Born
Über viele Jahrzehnte gehörte die Kirmes zu den wichtigsten und beliebtesten Veranstaltungen in Bergisch Born. Generationen von Bornerinnen und Bornern verbinden mit ihr Erinnerungen an Fahrgeschäfte, Tanzabende, Frühkonzerte, Luftballonwettbewerbe und natürlich an die berühmten Krammetsvögel.
Unter dem Namen „Krammetsvogelfesttage“ entwickelte sich aus einem ursprünglichen Jahr- und Viehmarkt mit der Zeit ein großes Dorffest, das weit über Bergisch Born hinaus bekannt war. Seine Geschichte reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück.
Die Geschichte der Bergisch Borner Kirmes lässt sich bis in das Jahr 1853 zurückverfolgen. Damals wurde bei der Stadt Hückeswagen die Genehmigung für einen Viehmarkt in Bergisch Born beantragt. Der Markt sollte einmal jährlich am Sonntag nach dem 15. Oktober stattfinden. Offenbar kam diese erste Form des Jahrmarktes jedoch bereits nach einigen Jahren oder Jahrzehnten wieder zum Erliegen.
Die Borner Wirte wollten sich damit nicht abfinden. Vertreten durch den Gastwirt Hermann Drosten wandten sie sich an den Regierungspräsidenten in Düsseldorf und baten darum, den Markt wieder in das offizielle Jahrmarktsverzeichnis aufzunehmen.
Mit Schreiben vom 11. September 1896 wurde diesem Wunsch entsprochen und der Borner Jahrmarkt erneut genehmigt. Damit begann eine neue, lange Phase der Kirmestradition.
Der Borner Jahrmarkt entwickelte sich schnell zu einer Veranstaltung, die auch außerhalb des Ortes bekannt wurde. Neben dem Viehmarkt gab es einen großen Krammarkt und natürlich die eigentliche Kirmes.
Lange Zeit erstreckte sich das Geschehen auf beiden Seiten der damaligen Provinzialstraße, der heutigen B 51beziehungsweise Hauptstraße.
Zu den besonderen Attraktionen gehörten damals tatsächlich gebratene Krammetsvögel, also Wacholderdrosseln. Von ihnen erhielt die spätere Veranstaltung ihren bekannten Namen. Mit dem immer stärkeren Autoverkehr wurde es jedoch zunehmend gefährlich, Karussells, Schiffsschaukeln und Verkaufsstände direkt an beiden Seiten der Hauptstraße aufzustellen. Deshalb begann bereits in den 1920er-Jahren die Suche nach einem anderen Veranstaltungsort. 1927 wurde dafür eine Fläche bei Bornefeld ins Auge gefasst.
Danach verliert sich die Geschichte der Kirmes für einige Zeit.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg taucht die Bergisch Borner Kirmes wieder deutlich in den Überlieferungen auf.
Für das Jahr 1949 wurde beispielsweise angekündigt, dass die Kirmes auf den sogenannten „Sieper’schen Wiesen“ stattfinden sollte. Dabei handelte es sich um das Gelände im Bereich des heutigen beziehungsweise damaligen Sportplatzes. Von da an fand die Kirmes auf dem Sportplatzgelände statt. Der Neustart nach dem Krieg war zunächst noch recht bescheiden. In den frühen Nachkriegsjahren soll der Kirmesbetrieb sogar mit lediglich einer einzigen Bude begonnen haben. An die großen Erfolge der Vorkriegszeit konnte zunächst nicht angeknüpft werden.
Das änderte sich Ende der 1960er-Jahre.
Nach 1969 engagierte sich die neu gegründete IGBB intensiv für die Traditionsveranstaltung.
Neben dem eigentlichen Kirmesbetrieb entstand ab 1970 auch ein umfangreiches Rahmenprogramm im Saal des Hauses Mühlinghaus, dem heutigen Borner Hof. Dazu gehörten unter anderem ein Tanzabend und ein Frühkonzert.
Auch für Kinder wurde einiges geboten. Besonders beliebt war der Luftballonwettbewerb. Die von der IGBB gestifteten Preise wurden bereits mehrere Tage vorher in einem Schaufenster an der Hauptstraße präsentiert. Für die Borner Kinder war das natürlich ein zusätzlicher Anreiz, bei dem Wettbewerb mitzumachen.
Allerdings brachte die räumliche Trennung zwischen Sportplatz und Saalprogramm ein Problem mit sich: Die Besucher mussten immer wieder die stark befahrene B 51 überqueren. Eine Ampel oder eine andere Querungshilfe gab es damals noch nicht. Deshalb stand während der Veranstaltung ein Schutzmann auf der Hauptstraße und regelte den Verkehr.
1977 entschied der Vorstand der IGBB, die Kirmes um drei Wochen vorzuverlegen. Man erhoffte sich davon besseres Wetter.
Gleichzeitig sollte das Programm stärker an einem Ort gebündelt werden. Auf dem Sportplatzgelände wurde deshalb ein Festzelt für rund 400 Personen aufgebaut. Dort konnten sowohl der Tanzabend als auch das Frühkonzert stattfinden. Im Jahr 1978 kostete der Eintritt zum Tanzabend übrigens sechs Deutsche Mark. Doch auch diese Lösung hatte nicht lange Bestand. Als sich abzeichnete, dass die Stadt Remscheid an dieser Stelle einen neuen Sportplatz errichten wollte, musste die Kirmes erneut umziehen.
Nach Verhandlungen mit der Deutschen Bundesbahn fand die Veranstaltung anschließend auf dem Gelände des Bergisch Borner Bahnhofs statt.
Bis 1982 wurde auf dem Bahnhofsvorplatz gefeiert. Auch dort stand wieder ein großes Festzelt. Samstags fand der beliebte Tanzabend statt, sonntags folgte das traditionelle Frühkonzert. Hinzu kamen moderne Fahrgeschäfte wie Autoscooter und Kettenkarussell.
Zum festen Programm gehörten außerdem viele Angebote, die sich über Jahre und teilweise Jahrzehnte hielten: Erbsensuppenessen, frische Waffeln, das Luftballonfliegen für Kinder sowie das Kaffeetrinken für Seniorinnen und Senioren am Montag.
Zeitweise gab es am Montagabend sogar noch eine größere Musikveranstaltung als Abschluss der Kirmestage. Einmal wurde auch das Sommerfest der Freiwilligen Feuerwehr in die Krammetsvogelkirmes integriert. Anlass war das 100-jährige Bestehen der Feuerwehr, das mit einem großen Jubiläumsball gefeiert wurde. Gerade die Feuerwehr und der SSV Bergisch Born waren über viele Jahre wichtige Unterstützer. Besonders die mit viel Humor vorbereiteten Showeinlagen am Samstagabend blieben vielen Besucherinnen und Besuchern in Erinnerung.
Auf Dauer wurde die Veranstaltung am Bahnhof allerdings immer teurer. Vor allem die Miete für das große Festzelt und die Kosten für einen Toilettenwagen belasteten das Budget. Deshalb entschloss sich die IGBB erneut zu einem Ortswechsel. Die Krammetsvogelkirmes zog in die Tennishalle, wo sie schließlich ihre letzte langfristige Heimat fand.
Der Umzug brachte einen entscheidenden Vorteil: Während im Festzelt nur rund 400 Besucher Platz gefunden hatten, konnten in der Tennishalle zeitweise bis zu 800 Menschen feiern. Der Besitzer der Tennishalle ließ für die Veranstaltung sogar einen zusätzlichen Boden anfertigen. Außerdem beschaffte die IGBB einen Vorhang, mit dem Teile der großen Halle abgetrennt werden konnten.Die Organisation der Kirmes war Jahr für Jahr eine enorme Aufgabe. Sie erforderte viele Arbeitsstunden und zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Die aktiven Mitglieder der IGBB hätten diese Arbeit allein kaum bewältigen können.
Viele Bergisch Borner Vereine und Institutionen arbeiteten deshalb gemeinsam an der Veranstaltung. Dazu gehörten unter anderem die Freiwillige Feuerwehr Bergisch Born, die Siedlergemeinschaft Tefental, die Karnevalsgesellschaft Blau-Weiße Jungs, die EC-Jugend und der SSV Bergisch Born.
Diese Zusammenarbeit entsprach einem Motto des früheren IGBB-Vorsitzenden Hans Husfeldt: „Das Leben in einer gut funktionierenden Gemeinschaft ist leichter und macht Spaß!“
Genau dieser Gemeinschaftsgedanke prägte die Kirmes über viele Jahre.Die Veranstalter versuchten immer wieder, neue Ideen in das Programm aufzunehmen. Schon in den 1970er-Jahren gab es beispielsweise Puppentheater für Kinder. Die Aufführungen wurden unter anderem von den Wuppertaler Puppenspielen mit Thomas Marcel Labbé gestaltet.
Besonders bekannt wurde ein Satz, auf den die Kinder jedes Jahr warteten:
„Tri-tra-trullala, Leberwurst ist wunderbar!“ Darauf folgte regelmäßig lautes Gelächter. Eine weitere besondere Idee entstand 1979 mit dem sogenannten „Krammetsvogel-Seminar“. Die Teilnehmer erhielten zunächst eine Unterrichtsstunde über die Sage vom Steinernen Kreuz. Anschließend mussten sie ihr neues Wissen in sieben unterhaltsamen Spielen rund um die Krammetsvögel unter Beweis stellen.
Wer erfolgreich war, durfte sich anschließend „Krammetsvogel-Assistent“ nennen. Für das folgende Jahr war sogar ein Aufstieg zum „Krammetsvogel-Sekretär“ vorgesehen.
In den 1990er-Jahren veränderte sich das Programm erneut. Der Montagabend fiel als große Abendveranstaltung weg. Dafür wurde der Samstag immer stärker zu einem großen Showabend ausgebaut. Bekannte Künstler und Bands kamen nach Bergisch Born. Zu den auftretenden Namen gehörten unter anderem die Höhner, die Bläck Fööss und Peter Petrel. Doch nicht nur die prominenten Gäste sorgten für Begeisterung.
Auch Bergisch Borner Vereine stellten eigene Shows auf die Beine, die teilweise so aufwendig und unterhaltsam waren, dass sie den professionellen Künstlern beinahe die Schau stahlen.
Legendär blieb beispielsweise die Aufführung von Mitgliedern des SSV Bergisch Born, die das Musical „Starlight Express“ auf ihre ganz eigene Weise inszenierten. Die Darbietung sorgte für große Begeisterung – und wurde sogar in der Presse besonders gelobt. Ein weiteres Highlight gab es 1999: die Wahl zur „Miss Bergisch Born“. Da es anschließend keine weitere Miss-Wahl mehr gab, behielt die damalige Gewinnerin Barbara Dörfers ihren Titel dauerhaft und war damit auch Jahre später noch die „amtierende“ Miss Bergisch Born.
Der Montag bildete über viele Jahre den gemütlichen Abschluss des Kirmeswochenendes.
Nachmittags fand zunächst der Luftballonwettbewerb für die Kinder statt. Anschließend folgte das traditionelle Kaffeetrinken für Seniorinnen und Senioren. Ursprünglich war dieses Angebot insbesondere für die Bewohner des Altenheims an der Bornefelder Straße gedacht gewesen. Nachdem das Altenheim 1980 geschlossen worden war, wurde die Tradition trotzdem weitergeführt und richtete sich fortan allgemein an die älteren Einwohner Bergisch Borns.
Ganz unter sich blieben die Seniorinnen und Senioren allerdings selten. Die Kaffeetafel zog auch viele jüngere Borner Mütter an, die nach dem Luftballonstart gerne noch in der Tennishalle blieben und sich bei Kaffee und Kuchen mit Freundinnen und Nachbarinnen trafen.
Nach dem Ende des offiziellen Programms gab es schließlich noch ein geselliges Beisammensein für die vielen Helferinnen und Helfer.
Auch zu Beginn des neuen Jahrtausends war die Kirmes zunächst weiterhin sehr beliebt. Die Tennishalle war an beiden Abenden regelmäßig gut gefüllt, und zahlreiche Ehrenamtliche sorgten jedes Jahr dafür, dass ein umfangreiches Programm angeboten werden konnte.
Mit der Zeit veränderten sich jedoch die Rahmenbedingungen. Es wurde immer schwieriger, genügend Helfer zu finden. Gleichzeitig stiegen die Sicherheitsanforderungen und damit auch die Kosten erheblich. Hinzu kam, dass die Besucherzahlen zunehmend zurückgingen.
Nach und nach musste das Programm verändert werden. Zunächst verschwand der traditionelle Kirmesmontag. Später entstand freitags die Veranstaltung „Rock am Born“, während der Festabend am Samstag unter anderem als „Oktoberfest“ weitergeführt wurde.
Doch die Entwicklung ließ sich nicht mehr aufhalten. 2012 fand schließlich die letzte Bergisch Borner Kirmes statt.
Bei einer der großen Samstagabendveranstaltungen unter dem Motto „Trassenparty“ war die Tennishalle nur noch zu etwa einem Drittel gefüllt. Für die Veranstalter bedeutete dies ein erhebliches finanzielles Defizit.
Schweren Herzens zog die IGBB daraus ihre Konsequenzen. Im folgenden Jahr wurden die Krammetsvogelfesttage nicht mehr fortgeführt. Damit endete eine Veranstaltung, die über viele Jahrzehnte das gesellschaftliche Leben in Bergisch Born geprägt hatte.
Der ungewöhnliche Name der Kirmes hat seinen Ursprung in einer alten Legende.
Ein Bote soll einst mit einer großen Geldsumme von Lennep nach Köln unterwegs gewesen sein.
In der Nähe der Remscheider Talsperre, unterhalb von Born, lauerten ihm zwei Räuber in einem Hohlweg auf. Sie überfielen den Mann, nahmen ihm das Geld ab und verletzten ihn tödlich.
Während der Sterbende am Boden lag, flog eine Schar Krammetsvögel über ihn hinweg. Der Mann soll seine Arme zum Himmel gestreckt und die Vögel angerufen haben, seinen Tod zu rächen.
Noch am Abend desselben Tages kehrten die beiden Täter in einem Wirtshaus in Born ein, um ihren Raub zu feiern.
Dort wurden ihnen ausgerechnet Krammetsvögel serviert.
Beim Anblick der Vögel soll einer der Räuber seinen Komplizen angestoßen und sinngemäß gesagt haben, diese Vögel könnten sie nun nicht mehr verraten.
Der Wirt hatte jedoch bereits von dem Mord gehört. Die verdächtigen Worte machten ihn aufmerksam, und er verständigte die Obrigkeit.
Die beiden Männer wurden daraufhin festgenommen und später hingerichtet.
Noch heute soll ein altes Steinkreuz in der Nähe der Remscheider Talsperre an die grausame Tat erinnern.
Die Bergisch Borner Kirmes ist Geschichte – ihre Erinnerungen sind es nicht.
Für viele Menschen aus Bergisch Born waren die Krammetsvogelfesttage weit mehr als nur eine Kirmes. Einmal im Jahr kam das Dorf zusammen. Vereine, Feuerwehr, Sportler, Jugendliche und zahlreiche ehrenamtliche Helfer arbeiteten gemeinsam daran, ein Fest für den ganzen Ort auf die Beine zu stellen.
Aus Nachbarn wurden Freunde, Kinder wuchsen mit den Traditionen auf und viele der besonderen Erlebnisse werden noch heute weitererzählt.
Damit sind die Krammetsvogelfesttage ein bedeutendes Stück Bergisch Borner Ortsgeschichte geblieben.
Ein paar Bilder der Krammetsvogel Festtage seht Ihr hier in der Galerie.
